„Wir brauchen einen Plan B für die Pflege!“

30. Juli 2020

Diana Stachowitz MdL im Gespräch mit Alten- und Pflegeeinrichtungen

Diana Stachowitz MdL mit Ana Thudt, Leiterin des Hans-Sieber-Hauses (Münchenstift)

„Ich habe sehr großen Respekt dafür, was die Mitarbeiter*innen und Leitungen der Alten- und Pflegeeinrichtungen nicht nur während der Corona-Krise geleistet haben und immer noch leisten“, sagt Diana Stachowitz, Landtagsabgeordnete für den Münchner Norden, nach Ihrem Besuch im Hans-Sieber-Haus (Münchenstift). „Es gibt einige Themen in der Pflege, die wir als Politik - nicht nur für den Fall einer zweiten Pandemie-Welle – dringend verbessern und verändern müssen. Wir brauchen einen Plan B für die Pflege!“

Wichtig sei vor allem die Unterstützung des Pflegepersonals, das in dieser Ausnahmesituation an vorderster Front stand – sei es bei der Pflege der (oft dementen) Bewohnerinnen, die auf einmal keinen Besuch mehr von Familie und Freunden bekommen durften, oder im Umgang mit verärgerten Angehörigen, welche die verordneten „Lock-Down“-Maßnahmen nicht nachvollziehen konnten. Neben viel Durchhaltevermögen lobte Frau Ana Thudt, die Leiterin des Hans-Sieber-Hauses, vor allem den großen Zusammenhalt unter den Mitarbeiterinnen der Einrichtung.

Um für einen erneuten Ausbruch der Pandemie gewappnet zu sein, benötigen die Alten- und Pflegeeinrichtungen umfangreiche Unterstützung des Freistaats. Angefangen bei der Bereitstellung von Schutzmaterialien – Mund-Nase-Schutzmasken, Handschuhe oder Kittel sowie Desinfektionsmittel. Zu Beginn und im weiteren Verlauf der Corona-Krise hatten und haben die Heime immense Probleme, an diese Materialien zu gelangen. Über zwielichtige Anbieter wurden Ihnen, teils nicht zertifizierte, Materialien zu horrenden Preisen angeboten. Die Bayerische Staatsregierung hat nun Ende Juli beschlossen, ein Zentrallager für diese Schutzmaterialien zu schaffen. „Dieses Lager muss spätestens zum Herbstbeginn fertigstellt werden, um ein weiteres Chaos, wie zu Beginn der Pandemie, zu verhindern“, betont Stachowitz. „Zudem müssen die Träger der Alten- und Pflegeheime frühzeitig darüber informiert werden, wie die Verteilung der Materialien organisiert wird und ab wann die Einrichtungen mit Lieferungen rechnen dürfen.“

Ein weiteres Problem: Aufgrund der Pandemie führt der medizinische Dienst seine Gespräche zur Bewertung des Pflegegrades derzeit telefonisch durch. Oftmals sind die Betroffenen aber nicht in der Lage, z.B. durch Demenzerkrankungen, diese Gespräche zu führen. Dies bedeutet, dass Betroffene oftmals in Pflegegrade eingestuft werden, die ihrem Zustand nicht entsprechen und die eine falsche Berechnung des Bedarfs an Pflegepersonal für die jeweilige Einrichtung zur Folge haben. „Es muss daher umgehend geprüft werden, wie – vor allem in Pandemiezeiten – die Berechnung des Pflegepersonals angepasst werden kann, so dass dies nicht zu Lasten der Einrichtungen und deren Bewohner*innen geht“, so Stachowitz.

Um das Pflegepersonal in solchen Krisenzeiten kurzfristig und unkompliziert zu unterstützen, fordert Diana Stachowitz die Beschleunigung der Gastarbeitnehmerverfahren. „Es kann nicht sein, dass hoch qualifiziertes Personal aus Rumänien, Albanien oder Ungarn teilweise 8 Monate auf die Ausstellung von Urkunden warten muss. Hier braucht es eine Überprüfung der internen Prozesse bei der Regierung von Oberbayern, damit diese Verfahren beschleunigt werden können.“ Eine weitere Möglichkeit wäre die Aufstellung eines Aushilfs-Pflegekräfte-Pools: „Viele Studentinnen konnten aufgrund der Pandemie ihren Nebenjobs nicht mehr nachgehen. Einige von Ihnen wären sicherlich bereit, in einem Alten- oder Pflegeheimen bei Tätigkeiten auszuhelfen, die keine spezielle Qualifizierung benötigen. Dabei geht es um die Unterstützung bei bestimmten Tätigkeiten oder um die Beschäftigung mit den Bewohnerinnen. Mit einem bayernweiten 'Pool für Aushilfs-Pflegekräfte' könnten die Einrichtungen schnell und unkompliziert mit den Aushilfskräften in Kontakt treten. Dafür bräuchte es eine finanzielle Förderung des Freistaats für die Aufstellung dieses 'Pools' sowie dafür benötigte Testverfahren.“

Besonders wichtig während der Corona-Zeit war der persönliche Kontakt der Bewohner*innen mit ihren Angehörigen. Container, die Raum bieten für Gespräche mit Angehörigen, geschützt durch Plexiglas, haben sich als erfolgreiche Alternative bewiesen – vor allem in den kälteren Herbst- und Wintermonaten. Hier muss die Staatsregierung prüfen, wie und in welchem Umfang die Einrichtungen bei der Aufstellung der Container für das Zusammentreffen mit Angehörigen unterstützt werden können.

„Zudem gibt uns diese Krise die Chance, manche neue Technologie schneller auf den Weg zu bringen: In diesem Fall würde der Einsatz von Pflegerobotern, welche das Pflegepersonal von bestimmten Aufgaben entlasten, große Unterstützung bringen. Auch die Kommunikation mit Angehörigen könnte in Form von Bildschirmen, die auf Robotern angebracht sind, erfolgen. Die TU München ist in diesem Bereich Vorreiter und könnte in Zusammenarbeit mit einem Träger – wie z.B. der München Stift – ein Pilotprojekt starten“, sagt Stachowitz.