Seelsorge in Zeiten von Corona: Impuls für die Zukunft?

21. Juli 2020

Digitaler Diskussionsabend im Forum Kirche und SPD

Diana Stachowitz, kirchenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion

Wie hat „Corona“ Kirche und Seelsorge verändert? Ist Kirche, ist Seelsorge noch systemrelevant? In Zeiten von Corona diskutierte das Forum Kirche und SPD diese Fragen virtuell in einer gut besuchten Videokonferenz mit Akteuren aus Politik, katholischer und evangelischer Kirche. Der Münchner Regionalbischof Christian Kopp berichtete von einer Vielzahl neuer, kreativer Wege und Formate, mit denen seine Gemeinden und Beratungsdienste die Menschen in den Wochen der Ausgangsbeschränkungen erreicht haben: ‚Seelsorge zwischen den Zeilen‘, gewissermaßen, vorwiegend digital, auf Homepages und in sozialen Netzwerken, aber auch telefonisch. „Mit Trost, Beratung und Information haben die Kirchen sehr vielen Menschen durch Einsamkeit, Ängste, Partnerstress geholfen, das war ganz pragmatische Seelsorge im Wortsinn“, sagt Diana Stachowitz, Vorstandsvorsitzende des Forums Kirche und SPD und kirchenpolitische Sprecherin der BayernSPD Landtagsfraktion. Damit, so die Politikerin, hätten die Kirche ihre Systemrelevanz bewiesen. „Seelsorge muss auch in Zukunft so aktiv und nah an den Menschen sein. Die dafür nötige Finanzierung muss gesichert werden.“

Tradierte Seelsorge-Formen modernisieren

Es sei ein großer Schritt passiert auf dem Weg von „analog“ zu „digital“, betonte auch Monsignore Engelbert Dirnberger, Dekan und Leiter des Pfarrverbandes Obergiesing. Noch nie habe er so viele positive Rückmeldungen auf die digitalen Aktivitäten im Pfarrverband erhalten, aus der Gemeinde, aus Deutschland und dem Ausland. Für ihn stellt sich die Frage, wo und wie man tradierte Seelsorge-Formen mit ihrem hohen personellen Aufwand zeitgemäßer gestalten kann. „Die digitale Ausbildung von Pfarrer*innen und die entsprechende Ausstattung der Pfarreien ist ganz sicher eine Herausforderung für die Kirche der Zukunft. Auch hier sollte Politik unterstützen, denn die Nachfrage nach moderner geistlicher Begleitung steigt – unabhängig von den sinkenden Mitgliederzahlen der Kirchen“, sagt Diana Stachowitz. Die Kirchenpolitikern nennt als aktuelles Beispiel den digitalen Friedhof und die digitale Trauerkultur. „Hier hat Kirche die Chance, ihre Kernkompetenzen der spirituellen Begleitung den Bedürfnissen der Menschen von heute anzupassen – und ihre Systemrelevanz unter Beweis zu stellen.“

Eine Fülle neuer Impulse

Diana Stachowitz zieht eine sehr positive Bilanz nach der ersten digitalen Veranstaltung des Forums Kirche und SPD: „Wir haben ein spannendes Thema von vielen Seiten beleuchtet und eine ganze Reihe neuer Impulse bekommen, die wir unbedingt weiter verfolgen werden - besonders die Fragen nach der Systemrelevanz von Kirche, nach ‚digitalen Sprengeln‘ und danach, wie Hierarchien und Ehrenamt dort austariert werden.“

Vielleicht kann die nächste Veranstaltung des Forums Kirche und SPD im Herbst sogar wieder in „tradierter“ Form stattfinden. Denn, so die Meinung der Mitglieder, die digitale Plattform ist zwar eine willkommene Abwechslung, vor allem für diejenigen, die seit Wochen in Isolation leben müssen. Auf Dauer ersetzt sie aber nicht die persönliche Begegnung. Für den Herbst ist ein Abend zur religiösen und politischen Situation im Maghreb und in Westafrika geplant, mit den Nord- und Westafrika-Experten Franz Maget und Johannes Singhammer.