Integration ist keine Einbahnstraße - Ein Europäischer Islam kann gelingen

07. Februar 2017

Diana Stachowitz, MdL, Dr. Andreas Renz, Annette Ganssmüller-Maluche
(Foto:vlnr.:Diana Stachowitz, MdL, Dr. Andreas Renz, Annette Ganssmüller-Maluche)

Diana Stachowitz,Vorstandsvorsitzende des Forums Kirche und SPD, fragt nach dem „Europäischen Islam“.

Wie gelingt in einer nicht nur multikulturellen, sondern auch multireligiösen Gesellschaft ein friedliches, respektvolles Miteinander? Und welche Verantwortung trägt dabei ein „europäischer Islam?“ Fragen, die Diana Stachowitz im Forum Kirche und SPD mit dem Beauftragten der Erzdiözese München und Freising für interreligiösen Dialog, Dr. Andreas Renz, diskutierte. Mit dabei über 40 Gäste, Katholiken, Protestanten und Muslime.

Der Islam in Deutschland hat sich gewandelt, so Renz. Während bis in die 1990er Jahre vorwiegend türkische Muslime in Deutschland lebten, weist der Islam heute eine große ethnische und kulturelle Bandbreite auf - und damit auch eine Vielzahl unterschiedlichster religiöser Ausprägungen, von nicht praktizierenden Muslimen über Anhänger eines modernen Islam bis hin zu konservativen Strömungen wie den Salafisten. Insgesamt, betonte Renz, sind nur 30 Prozent der rund 5 Millionen Muslime in Deutschland überhaupt religiös. Die überwiegende Mehrheit der Muslime pflegt in ihrer Freizeit Kontakte mit Nichtmuslimen und ist gut in unsere Gesellschaft integriert. Selbstverständlich, denn über die Hälfte von ihnen sind ja deutsche Staatsangehörige. Allerdings haben heute nach aktuellen Studien über 60 Prozent der Nichtmuslime bei uns keinerlei Kontakt zu Moslems. Das „Integrationsproblem“ liege also eher bei den Nichtmuslimen, gab Renz zu bedenken. „Integration ist eben keine Einbahnstraße“, sagte Diana Stachowitz. „Um unbegründete Vorurteile und Misstrauen abzubauen, müssen wir aufeinander zugehen, miteinander ins Gespräch kommen und Raum für Begegnungen schaffen“, forderte sie die Gäste auf.

Zugehörigkeitsgefühl stärken Der Islam habe sich seit seiner Entstehung als sehr anpassungsfähig erwiesen, die „Inkulturation“ sei ein geschichtliches Merkmal des Islams bei seiner Ausbreitung. Dem fundamentalistischen Religionsverständnis stehen heute viele reformatorische Kräfte innerhalb des Islam gegenüber, so Renz. „Diese Kräfte gilt es zu stärken“, sagte Diana Stachowitz. „Zum Beispiel, indem wir islamische Theologen in deutscher Sprache an deutschen Universitäten wie z.B. in Erlangen-Nürnberg ausbilden, und natürlich durch die Ausweitung von islamischem Religionsunterricht an staatlichen Schulen. Außerdem brauchen wir Strukturen, die auch deutschsprechende Imame fördern, um die türkische Finanzstruktur von Gemeinden und Imamen zu ersetzen. Darüber hinaus“, betonte die Vorsitzende des Forums Kirche und SPD, „müssen wir verstärkt auf Anerkennung setzen. Dazu gehört die Einbindung muslimischer Vereine und Gemeinden auf dem Boden unserer Verfassung, z.B. in Staats-Verträgen. Damit ermöglichen wir Muslimen, ihre Religion im Rahmen unseres Staates zu leben, z.B. an muslimischen Feiertagen und bei muslimischen Ritualen wie Taufe und Bestattung.“

Der Europäische Islam ist Realität Der Europäische Islam sei keine Zukunftsvision, erklärte Andreas Renz. Vielmehr gebe es ihn schon seit Jahrhunderten. Die Gefahr liege heute in der Verstärkung radikaler Tendenzen auf allen Seiten, in Europa, in Deutschland und in Bayern, pflichtete Annette Ganssmüller-Maluche, stellv. Vorsitzende des Forums Kirche und SPD, bei.

„Wir sind im entscheidenden Jahr, der Rechtsradikalismus ist auf dem Vormarsch, bei uns und in Europa. Über 50 Prozent der Deutschen haben Angst vor dem Islam, das darf nicht sein. Wir müssen gegensteuern und im vernünftigen Dialog aktiv gegen Radikalismus von jeder Seite vorgehen. Mit Ihrer Stimme können Sie das ändern“, gab Diana Stachowitz den Gästen zum Abschluss des Abends mit auf den Weg.