Diana Stachowitz, MdL, zur Bürgerbeteiligungsveranstaltung auf der INSEL am 23.9.2016

Sehr geehrter Herr von Moreau, sehr geehrte Frau Höß-Zenker, liebe Jutta Koller, sehr geehrte Frau Pilz-Strasser, sehr geehrte Mitglieder des BA 13, liebe Gäste und Inklusions-Begeisterte,

ich habe immer noch dieses Bild im Fernsehen vor Augen. Eine junge Frau im Meer. Sie schwimmt zielsicher mit starken Zügen. Dann steht sie unter der Dusche, in einem Badeanzug, dessen Tattoomuster sich auf der Prothese ihres rechten Beines fortsetzt. Um sie herum buntes Strandleben, und sie mitten drin, ganz selbstverständlich. Ein starkes Bild und ein schönes Bild, das uns während der Paralympics in Rio begleitet hat.

So selbstverständlich wie in diesem TV-Spot wurden in Rio auch die paralympischen Sportlerinnen und Sportler in das brasilianische Lebensbild integriert. Tausende säumten die Straßen, füllten die Stadien und jubelten den geh-, seh- und hörbehinderten Sportlern zu. Wenn ich meinen Traum von erfolgreicher Inklusion im Alltag schildern sollte, würde er genau so aussehen: Menschen, die sportlich aktiv sind, wie und wo sie es können und wollen und unter Bedingungen, die es ihnen leicht machen.

Diana Stachowitz,MdL, bei der Pfennigparade zum neuen inklusiven Sportplatz "Insel"

„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ heißt es, aber genau das darf nicht passieren. Denn der Funke, der überspringt, wenn Menschen mit und ohne Behinderung Sport erleben, schafft ein Klima des Miteinanders, in dem Handicaps kein Thema sind. Die Freude und der Spaß am Spiel, die dann im Mittelpunkt stehen, machen das Wesen von Inklusion viel verständlicher und greifbarer als jeder noch so ausgefeilte Text in einer Konvention. Das gilt nicht nur für die Paralympics. Das habe ich z.B. beim Rollstuhlführerschein in Münchner Schulen erlebt, das wird spürbar bei jeder inklusiven Sportveranstaltung, wo Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Behinderung zusammen Sport machen. In München und in Bayern haben wir ein weit in die Sportwelt und die Gesellschaft reichendes Netzwerk, und in Kooperationen mit dem Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern (BVS) e.V. sind gemeinsame Sportangebote immer öfter an der Tagesordnung. Zum Beispiel die Erlebte Inklusive Sportschule EISs, die G-Judoka-Gruppe der Sportfreunde Harteck, die Blindenfußballer, die Rollstuhlbasketballer – letztere übrigens beide auf Bundesliganiveau. Auf der Sportkonferenz der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag im Juli war eindrucksvoll zu spüren, wie viel Spaß solche Angebote allen Beteiligten machen.

Seit 2009 gilt in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention. Aber bis heute können Menschen, Erwachsene und Kinder dieses intensive Miteinander immer nur auf „Inseln“ erleben. Bei Sportfesten, in inklusiven Schulen und Projekten. Als sportpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und als stellvertretende Vorsitzende des Landessportbeirats fordere ich konsequent die Förderung inklusiver Sportangebote in Bayern ein. Dazu gehört eine ausreichende Finanzierung ebenso wie die zuverlässige finanzielle Unterstützung der Vereine, wenn es darum geht, die nötigen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.

Inklusion ist ein Weg, den wir nur gemeinsam gehen können. Wenn wir Inklusion ernst meinen, dann müssen wir sie greifbar machen, sichtbar und erlebbar. Weil die Bereitschaft, ein Handicap nicht als Nachteil zu sehen, sondern als eine „andere Befähigung“, dort entspringt, wo unsere Emotionen sitzen: Im Herzen.

Und deshalb, liebe Sportbegeisterte und liebe Inklusions-Freunde, ist die INSEL, die hier entsteht, so wichtig! Ein Areal, in dem nicht das Denken im Vordergrund steht, sondern das Gefühl. Nicht abseits und nicht im zeitlich begrenzten Rahmen, sondern mittendrin in unserem Alltag. Sport- und Erlebnispädagogik nicht hinter verschlossenen Türen, sondern offen für alle.

Die Pfennigparade hat in München gemeinsam mit dem BVS und engagierten Vereinen schon etliche erfolgreiche inklusive Kooperationen auf die Beine gestellt – zum Beispiel Emoki, das Kooperationsprojekt des DJK Haidhausen und des Förderzentrums Pfennigparade. Hier machen Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam Sport. Der inklusive Gedanke geht dabei weit über das sportliche Erlebnis hinaus. Denn der Spaß beim Schwimmen, Turnen oder Klettern lässt bei den Kindern Barrieren gar nicht erst aufkommen. Und das ist die beste Grundlage für eine inklusive Gesellschaft. Diese erreichen wir nur gemeinsam, durch die Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen und Sportvereinen.

Darum ist es richtig, dass das INSEL-Projekt von Anfang an unter der Beteiligung möglichst vieler Akteure im Stadtteil geplant wird. Heute ist der Startpunkt dafür, und ich freue mich sehr über das große Interesse, dass Sie alle dieser „INSEL“ entgegenbringen. Ich bin überzeugt, sie wird eine ideale gesellschaftliche Bereicherung für den Stadtteil und für ganz München sein – ein Ort der sportlichen Begeisterung und des Naturerlebens für alle, die Spaß an Sport, Spiel und Bewegung haben, im bunten, barrierefreien und grenzenlosen Miteinander.

Mein herzliches Dankeschön geht an die E.ON Kraftwerke für dieses großzügige Geschenk, an die Pfennigparade, die dieses „Leuchtturmprojekt“ verwirklicht, an den Stadtrat und den BA 13 für die engagierte Unterstützung – und an alle Sportbegeisterten, die mit ihren Ideen aktiv zum Gelingen beitragen wollen.

Ich werde die INSEL sehr gerne aktiv politisch begleiten und unterstützen.