Sprechen wir noch die gleiche Sprache? - Der Unterschied von christlichen Werten in Europa

04. Mai 2018

Diana Stachowitz bei Veranstaltung zum Thema Europäische Christen
Diana Stachowitz bei Veranstaltung zum Thema Europäische Christen

Auf der gemeinsamen Veranstaltung von Forum Kirche und SPD und Evangelischer Stadtakademie München waren Forumsvorsitzende Diana Stachowitz und Jutta Höcht-Stöhr, Leiterin der evangelischen Stadtakademie, im Gespräch mit Arne Lietz, MdEP, Dr. Joanna Lange von der polnischen Gemeinde in München und Franjo Barisic von der kroatischen Gemeinde in München.

Die Christen im Westen und im Osten haben die gleichen religiösen Wurzeln – aber trotzdem eine unterschiedliche Sicht auf christliche Werte. Im Westen orientiert sich der christliche Glaube an der Lebenswirklichkeit einer sehr aufgeschlossenen Gesellschaft. Ehe für alle, Scheidung und Wiederverheiratung oder religiöse Toleranz sind für die meisten Christen bei uns kein wirkliches Thema. In Osteuropa wurden aktive Christen während des Sozialismus oft angefeindet. Jetzt können sie ihren Glauben wieder offen leben, und sie tun das meist in einer viel konservativeren Weise als wir. Das Bedürfnis, ihren Glauben gegenüber anderen Strömungen abzugrenzen, ist groß. Daraus auf Fremdenfeindlichkeit zu schließen, greift zu kurz. Das wurde bei dem Gespräch mit Dr. Joanna Lange und Franjo Barisic sehr schnell deutlich.

Der Europaabgeordnete Arne Lietz kennt das aus eigener Erfahrung. Er wuchs als Pfarrerssohn in Ostdeutschland auf – hier liegt die Zahl der Menschen ohne Konfession zwischen 70 und 80 Prozent. Gerade deshalb ist es wichtig, Brücken zu schlagen und die Christen in Europa zu verbinden. Denn, so Lietz, wir tragen als Christen Verantwortung für die Welt und müssen unsere Außen-, unsere Wirtschafts- und unsere Umweltpolitik so gestalten, dass andere nicht unter den Auswirkungen zu leiden haben.

Deshalb ist das Gespräch miteinander so wichtig. Arne Lietz und die Christen im Europaparlament setzen sich aktiv für Religionsfreiheit und religiöse Toleranz in Europa ein und fordern von den Mitgliedsländern, diese in Europa zu schützen. Das ist ganz im Sinne der beiden großen Kirchen in Deutschland. Deren Vertreter, Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm, sind sich einig, dass die Christen die Verpflichtung haben, sich für eine Willkommenskultur in Europa einzusetzen.

Inwiefern können die Mitglieder der muttersprachlichen Gemeinden in Deutschland dazu beitragen? Diana Stachowitz sieht den Ansatz für eine Verständigung über nationale und Glaubensgrenzen hinweg im stetigen Gespräch. „Ob wir unsere christlichen Werte liberal oder konservativ beurteilen – wir treffen uns immer in unserer gemeinsamen Wertschätzung des Lebens als Geschenk Gottes. Dadurch gelingt es uns, bei wichtigen Themen mit einer Stimme zu sprechen. Zum Beispiel in Bezug auf Sterbehilfe oder Pränataldiagnostik. Gerade hier können Christen einen wichtigen Kontrapunkt zu nationalistischen Strömungen setzen“, so die Vorsitzende des Forums Kirche und SPD. Und letztendlich reiche die Haltung der Mitglieder muttersprachlicher Gemeinden wie der polnischen und der kroatischen bis in die Heimat hinein. „Gerade deshalb freue ich mich sehr darüber, dass wir hier miteinander ganz offen und auf Augenhöhe sprechen. Das werden wir beibehalten“, so Stachowitz.

Lange und Barisic zeigten sich ebenso erfreut über den vorurteilsfreien Gedankenaustausch wie Arne Lietz. Denn am wichtigsten sei es, den europäischen Dialog in Gang zu halten. Und die Christen in Europa könnten dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.

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