So stärken wir Soziale Berufe - Diana Stachowitz fordert Sofortprogramm gegen den Münchner Pflegenotstand

24. August 2018

Diana Stachowitz, MdL im Gespräch mit Pflegekräften
Diana Stachowitz, MdL im Gespräch mit Pflegekräften

Diana Stachowitz, Landtagsabgeordnete für den Münchner Norden, nutzt die Sommerpause im Maximilianeum, um Einrichtungen vor Ort in München zu besuchen. Ihr Themenschwerpunkt: Pflege. Im AWO-Dorf, beim Diakoniewerk München und den Johannitern - überall das gleiche Bild: engagierte Pflegekräfte am Anschlag. „Sie sind zu wenige, sie haben zu viel Bürokratie zu erledigen. Und trotzdem gehen sie liebevoll mit ihren Patientinnen und Patienten um. Das habe ich selbst gesehen und gespürt.“ Der Stress ist da - und zwischen Körperpflege, der Hilfe beim Essen und der detaillierten Dokumentation bleibt eigentlich keine Zeit mehr für ein kurzes Wort, ein kleines Streicheln.

Zumal auch die Verständigung in den national bunt gemischten Teams nicht einfach ist. „Aber sie nehmen sich die Zeit, denn sie sind einfach alle hoch engagiert“, so die Erfahrung von Diana Stachowitz. In allen Gesprächen mit den Leitenden, Pflegekräften, Bewohnern und Angehörigen kristallisierten sich schnell drei Brennpunkte heraus, die die Münchner Pflegeszene im Moment besonders beschäftigen: Die zeitaufreibende tägliche Dokumentation, der Fachkräftemangel und die Bezahlung, die für ein Leben in der Millionenstadt München vorne und hinten nicht ausreicht.

„Pflege ist für mich ein zentrales Anliegen, weil sie uns alle betrifft, in unterschiedlichen Abschnitten unseres Lebens. Erst pflegen wir unsere Eltern, dann werden wir selbst pflegebedürftig. Die Menschenwürde muss dabei immer im Mittelpunkt stehen. Es darf nicht darum gehen, was ein Mensch kostet, sondern was er braucht!“, sagt die Münchner Landtagsabgeordnete.

Ihre Vorschläge für ein Soforthilfeprogramm für die Münchner Pflege:

  1. Ein Sozialticket für die Pflegekräfte, um ihre Mobilität zu sichern und als Wertschätzung für das, was sie für uns als Gesellschaft täglich leisten.

  2. Die Schaffung einer „Dokumentations-Stelle“ pro Einrichtung. „So könnten die 13.000 Jobs von Gesundheitsminister Spahn sinnvoll verteilt werden. Dort kämen dann auch ältere Kräfte zum Zuge, die zwar nicht in der körperlich anstrengenden Pflege, wohl aber bei den bürokratischen Arbeiten eingesetzt werden könnten,“ sagt Diana Stachowitz.

  3. Eine deutliche Tarifanhebung, damit auch die Pflegekräfte, die bereits nach Tarif bezahlt werden, tatsächlich von den versprochenen Lohnerhöhungen profitieren. Sonst haben am Ende nämlich nur die Mitarbeitenden der tariflich nicht gebundenen Anbieter etwas mehr Geld in der Tasche. „Das führt im ohnehin angespannten Pflegebereich zu noch mehr Unruhe“, warnt die Politikerin.

Sie fordert: „Wir müssen unsere Sozialen Berufe stärken, denn ohne sie hat unsere Gesellschaft keine Zukunft. Das weiß ich als gelernte Erzieherin und Mutter eines Altenpflegers aus erster Hand. Anerkennung, Entlastung und eine entsprechende Bezahlung sind das A und O.“

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