Positionspapier der BayernSPD-Landtagsfraktion zur Seelsorge in Zeiten von Corona

06. Mai 2020

Die Menschen in Bayern in der Corona-Zeit begleiten. Positionen zur Unterstützung des geistlichen Lebens.

In Krisenzeiten suchen die Menschen nach spirituellem Halt, vor allem, wenn sie sich selbst in einer Ausnahmesituation befinden. In der aktuellen Corona- Krise ist das nicht nur eine Covid-19-Erkrankung oder Quarantäne. Einsamkeit durch Ausgangsbeschränkungen, Mehrfachbelastung durch Homeoffice und Kinderbetreuung, finanzielle Probleme treiben die Menschen auch in Bayern um:

Sie suchen vermehrt Zuflucht bei den Kirchen und Religionsgemeinschaften.

Digitale Angebote von Kirchen und Religionsgemeinschaften

Durch Corona sind die Kirchen „über Nacht“ digital geworden. Konzepte, die z.T. schon vor Jahren entwickelt wurden, sind jetzt aktuell. Kirchen und Religionsgemeinschaften haben eine Vielzahl von digitalen Angeboten entwickelt, um den Menschen, die nach Halt im Glauben suchen, im Netz nahe zu sein, in den sozialen Netzwerken, mit gestreamten Gottesdiensten, digitalen Trauerangeboten für Hinterbliebene und Freunde u.v.m.

Unsere Position: Wir unterstützen den Prozess der Digitalisierung von Kirchen und Religionsgemeinschaften.

Aber digitale Seelsorge ist nicht alles und ist nicht genug. Es gibt Situationen, in denen brauchen Gläubige persönliche Begleitung, z.B. bei einer schweren Erkrankung, im Sterben oder als Angehörige bei der Beerdigung.

Krankenhausseelsorge

Covid-19-Patienten hatten zunächst im Krankenhaus aufgrund der Hygienemaßnahmen keine Möglichkeit, den Besuch von Seelsorger*innen zu erhalten. Wir haben uns daraufhin im März bei Kardinal Marx und Landesbischof Bedford Strohm nach Möglichkeiten der Seelsorge speziell für Covid-19-Patienten gefragt. Die Evangelische Kirche prüft derzeit noch die Umsetzungsmöglichkeiten einer solchen Seelsorge. Die Katholische Kirche im Erzbistum München hat inzwischen ein Team aus 60 Seelsorgenden ausgebildet, das Covid-19 Patienten in extremen Situationen besucht.

Unsere Position: Klinikseelsorge soll in Bezug auf die finanzielle Unterstützung und Förderung den Hospizvereinen gleichgestellt werden. Die im Vorfeld der Seelsorge für Covid-19-Patienten nötigen Schulungen sollen vom Freistaat gefördert werden.

Gefängnisseelsorge

Die Gefängnisseelsorgerinnen unterliegen während der Corona-Krise verstärkten Belastungen. Die Einschränkungen, denen die Inhaftierten unterworfen sind, lösen eine Vielzahl von Ängsten aus. Die Seelsorgerinnen stehen in dieser Situation einem erhöhten Arbeitsvolumen und Anforderungen von Seiten der Inhaftierten gegenüber.

Unsere Position: Gefängnisseelsorge vor Ort soll für Vertreter aller Kirchen und Religionsgemeinschaften möglich sein, um dem erhöhten Gesprächsbedarf gerecht zu werden. Im Vorfeld der Seelsorge u.U. nötige Schulungen sollen vom Freistaat gefördert werden.

Seelsorge in Alten- und Pflegeheimen

Für alte Menschen kann es besonders belastend sein, vertraute Personen über einen langen Zeitraum nicht sehen zu dürfen. Viele leiden darunter, dass keine Seelsorge erlaubt ist. Alten- und Pflegeheime entwickeln derzeit individuelle und auf die jeweilige Raum- und Patientensituation zugeschnittene Konzepte, um Besuche unter Berücksichtigung der nötigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen möglich zu machen, z.B. „Besuchscontainer mit Plexiglas".

Unsere Position: Alten- und Pflegeheime sollen dabei unterstützt werden, im möglichen Rahmen, Besuche von Angehörigen, vertrauten Personen und Seelsorgenden anzubieten.

Gottesdienste

Seit dem 4.5. sind Gottesdienste unter Einhaltung strenger Hygieneauflagen (Stichwort „durchdachter Infektionsschutz“) erlaubt - für rund 8,5 Millionen Christen in Bayern eine frohe Botschaft. Abstand, Kommunion ohne Wein, kein Handschlag, das alles ist machbar. Schwierigkeiten bereitet den Gemeinden allerdings die Beschaffung von Desinfektionsmitteln, Schutzkleidung und Spendern, vor allem aus finanziellen Gründen.

Unsere Position: Wir befürworten die Wiederaufnahme von Gottesdiensten in Kirchen und Religionsgemeinschaften anstelle von oder zusätzlich zu den digitalen Angeboten unter Einhaltung der geltenden Hygienemaßnahmen.

Religiöse Feiern wie Konfirmation, Erstkommunion, Taufen, Hochzeiten, Bar/Bat Mizwa, Fastenbrechen etc.

Gemeinden und Religionsgemeinschaften rufen dazu auf, religiöse Feiern, die mit Familienfesten oder Treffen im großen Rahmen verbunden sind, bis auf weiteres zu verschieben.

Unsere Position: Wir danken den Gemeinden und Religionsgemeinschaften, dass sie sich an die für alle geltenden Regeln halten und ihre religiöse Feiern mit einer großen Anzahl von Gästen verschieben und so ihrer Vorbildfunktion gerecht werden.

Beerdigungen

Bei Beerdigungen sind bislang noch keine Lockerungen in Sicht. Aber gerade für Trauernde ist der Abschied am Grab ein zentrales Moment der Trauerbewältigung – das gilt für alle Religionen und Glaubensgemeinschaften und auch für Menschen ohne religiöse Anbindung. In den meisten Aussegnungshallen kann sich eine Trauergemeinde von 20 Personen aus der Familie unter Wahrung der Abstandsregeln aufhalten. Im Freien am Grab ist Abstand ohnehin kein Problem. Unter Umständen muss die Beisetzung dann mikrofongestützt sein.

Unsere Position: Beerdigungen müssen auch in der Corona-Krise für den Familienkreis geöffnet sein – immer unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes.

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