Osterbrief: " Wir müssen unser Recht auf Religionsfreiheit verteidigen"

28. März 2018

Diana Stachowitz, kirchenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion
"Wir müssen unser Recht auf Religionsfreiheit verteidigen"

Ein Dringlichkeitsantrag der CSU Landtagsfraktion in der letzten Plenarsitzung vor Ostern veranlasst mich dazu, Euch heute zu schreiben.
In diesem Antrag forderte die CSU die "Verteidigung christlicher Werte." Angeblich, so behauptete die Landtagsabgeordnete und neue Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung Mechthilde Wittmann, seien diese Werte in unserer Gesellschaft in Gefahr. Schuld daran seien die vielen multikulturellen Einflüsse, denen wir ausgesetzt seien.

Ton und Inhalt haben in mir eine tiefe Besorgnis ausgelöst. Denn offensichtlich legt die CSU hier Hand an ein Grundrecht, das uns sowohl unser Grundgesetz als auch die Bayerische Verfassung garantieren.

Ich meine das Recht auf kulturelle und auf religiöse Vielfalt. Beides ist eng verbunden. In Bayern, in Deutschland und in Europa finden wir vielfältige kulturelle Wurzeln - jüdische, christliche, und auch arabische - denken wir nur an die Medizin oder einfach an unser Zahlensystem. Zu Ostern kommen mit dem Hasen und den Eiern unsere germanischen Wurzeln zum Tragen.

Genauso wie wir unser buntes kulturelles Erbe leben und leben dürfen, garantiert uns unsere Verfassung auch die Freiheit, zu glauben, woran wir wollen - oder auch nicht. Schon in der bayerischen Verfassung von 1919 ist die Religionsfreiheit festgeschrieben. Sie gilt für alle Menschen und für alle Religionen - sofern sie sich auf dem Boden dieser Verfassung bewegen. Diese Freiheit lasse ich mir als Christin nicht nehmen - und ich nehme sie auch Andersgläubigen nicht weg. Genau das aber versucht die CSU, wenn sie unter dem Deckmäntelchen der "Bewahrung christlicher Werte" die kulturelle und die religiöse Vielfalt bei uns einschränken will.

Neben der christlichen Mehrheit (59% der deutschen Bevölkerung) gehören Juden (0,25%) und Muslime (5,7%) heute mit ihrem Glauben und ihren Traditionen, von Passafest bis Ramadan, genauso in das bunte Bild unserer Gesellschaft wie die Menschen ohne jede Glaubensanbindung (immerhin 36%). Wer die Freiheit dieser religiösen Minderheiten einschränkt, schränkt zugleich auch unsere christliche Glaubensfreiheit ein. Die Kirchen haben das immer wieder klar zum Ausdruck gebracht.

Deshalb rufe ich heute zur Wachsamkeit auf: Lasst uns zusammenstehen und gemeinsam unser Recht auf Religionsfreiheit verteidigen. Als bekennende Christinnen und Christen, als Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände. Wir haben eine Stimme. Und wir haben Verantwortung. Für uns, für unsere Kirchen und für die Menschen um uns herum. Lassen wir uns nicht vereinnahmen von vordergründigen Argumenten, die unseren Glauben für politische Ziele instrumentalisieren. Halten wir uns an die echten Werte. Im christlichen Glauben, in unserer Demokratie und in der bayerischen Tradition. Schlagen wir Brücken der Gemeinsamkeit über religiöse und kulturelle Gräben, verbinden wir, statt zu spalten. Das ist übrigens auch ganz im Sinn der Osterbotschaft.

Ein gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen und Euch Diana Stachowitz

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