Moosach verliert qualifizierten Einzelhandel

06. Juli 2020

Diana Stachowitz und Julia Schönfeld-Knor im Gespräch mit Betriebsrat der Karstadt-Filiale im OEZ

Diana Stachowitz und Julia Schönfeld-Knor vor der Karstadt-Filiale im OEZ

Es ist eine bittere Nachricht für die Karstadt-Mitarbeiter, die die beiden Moosacher SPD-Politikerinnen Diana Stachowitz, MdL , und Stadträtin Julia Schönfeld-Knor am Freitagmorgen erreicht – die Schließung der Filiale im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) steht gemeinsam mit Nordbad und Stachus fest. Einige Stunden später treffen sie den Betriebsratsvorsitzenden Mathias Braasch und Betriebsrat Manfred Kistler zum Gespräch. „2009 konnten wir die Filiale noch retten,“ erinnert sich die Landtagsabgeordnete, „heute fordern wir faire und zukunftsorientierte Bedingungen für die Mitarbeiter im Zuge des Arbeitsplatzverlustes.“

Karstadt gehört zu den schwindenden Einzelhandelsbetrieben, die ihre Mitarbeiter nach Tarifen bezahlen, ausbilden und einen starken Betriebsrat haben. Kistler arbeitet seit über 40 Jahren in der Herrenabteilung der Filiale und erzählt, wie sich eine Kundin noch über ein Jahrzehnt später an die Beratung ihres Sohnes erinnerte. Das Einkaufsverhalten habe sich zwar über die Jahre verändert, gerade beim Kauf von hochwertigen und höherpreisigen Produkten verlangten die Kunden jedoch qualifizierte Beratung, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Braasch. Auch einige Abteilungen, wie Kurzwaren, sind künftig am Standort Moosach und darüber hinaus nicht mehr vertreten. Schönfeld-Knor folgert: „Moosach wird ärmer.“

Auf die Mitarbeiter warten nun die Optionen Kündigung oder Transfergesellschaft. Da der Einzelhandel generell vor schwierigen Zeiten steht, fordern die beiden Politikerinnen in einem offenen Brief an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil unter anderem: eine Finanzspritze für die Transfergesellschaft, um die Laufzeit der Kurzarbeit über sechs Monate hinaus zu verlängern und Qualifizierungsmaßnahmen, die mit der Agentur für Arbeit auf den Arbeitsmarkt abgestimmt werden. „Mitarbeiter im Einzelhandel verdienen Wertschätzung und Perspektiven“, so Stachowitz.

Diana Stachowitz ist Moosacherin, Landtagsabgeordnete und für die SPD im Sozialausschuss des Bayerischen Landtags.

Julia Schönfeld-Knor, Manfred Kistler, Mathias Braasch und Diana Stachowitz, MdL im Gespräch

Offener Brief an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil - Schließung der Karstadt-Filialen in München

Sehr geehrter Bundesarbeitsminister Heil, lieber Hubertus,

letzten Freitag wurde die Schließung von drei Münchner Galeria Karstadt Kaufhof Filialen beschlossen. Im Gegensatz zu sechs anderen Standorten in Deutschland, konnte hier leider keiner gerettet werden.

Wir begrüßen, dass Du schon im Juni den Verzicht auf radikalen Arbeitsplatzabbau bei Karstadt Kaufhof verlangt hast. Eine der betroffenen Filialen – Karstadt Olympia-Einkaufszentrum – fällt in unseren Stadtteil München-Moosach und wir haben uns von dem Betriebsratsvorstand stellvertretend die Auswirkungen für die Mitarbeiter schildern lassen. Daher unterstützen wir nachdrücklich die Forderungen des Betriebsrats Karstadt:

  1. Verlängerung der Fristmeldung für die Insolvenz: Die Mitarbeiter sollen vom 10.7. bis 17. 7. entscheiden, ob sie eine Kündigung akzeptieren, in eine Transfergesellschaft wechseln oder dagegen klagen. Dieser Zeitraum ist für eine so weitreichende Entscheidung zu knapp bemessen.

  2. Zuschüsse vom Bund für die Transfergesellschaft: In der Transfergesellschaft Rundstedt erhalten die Arbeitnehmer für sechs Monate Kurzarbeitergeld. Da der Arbeitsmarkt im Bereich Einzelhandel sich insgesamt schwierig darstellt, ist insbesondere für ältere Arbeitnehmer eine Verlängerung der Kurzarbeit notwendig, um diese in ein neues Beschäftigungsverhältnis zu überführen.

  3. Nebenbeschäftigungen zur Aufstockung müssen möglich sein: Insbesondere bei Teilzeitkräften fällt das Kurzarbeitergeld sehr gering aus.

  4. Enge Koordination der Qualifizierungsmaßnahmen der Transfergesellschaft mit der Agentur für Arbeit: Viele der Angestellten haben seit Jahren keine Umschulungen bekommen und durch den Stellenabbau in der gesamten Einzelhandelsbranche droht für ältere Arbeitnehmer nach der Transfergesellschaft die Arbeitslosigkeit.

  5. Stärkung der Arbeitsverhältnisse im Einzelhandel: Karstadt war einer der wenigen Betriebe im Einzelhandel, die bis heute Tarifverträge, einen starken Betriebsrat und ein Ausbildungssystem hatten. Die Politik muss gegen prekäre Arbeitsbedingungen in der Branche vorgehen.

Mit solidarischen Grüßen

gez.
Diana Stachowitz, Mitglied des Bayerischen Landtags

gez. Julia Schönfeld-Knor, Münchner Stadträtin

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