Miteinander sprechen für ein friedliches Europa

02. Februar 2018

Diana Stachowitz im Gespräch mit dem Evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm beim Kirchenempfang der SPD

Heinrich Bedford-Strohm und Diana Stachowitz
Heinrich Bedford-Strohm und Diana Stachowitz

Ein spannender Start ins neue Jahr: In Bayern, in Deutschland und in Europa warten große Herausforderungen auf gute Lösungen. Dabei geht es um verschiedene Spannungsfelder wie politische Konflikte, Rechtsradikalismus oder die Ausgrenzung andere Konfessionen und auch darum, welchen Beitrag Christen ganz konkret zu Frieden und Einheit leisten können – in Europa und hier bei uns in den Kirchen- und Pfarrgemeinden. Um diese Herausforderungen zu meistern, braucht es den Dialog miteinander. Das wurde beim diesjährigen Kirchenempfang der Arbeitsgruppe Kirche und Politik der BayernSPD Landtagsfraktion deutlich. Wie genau der Beitrag der Christen aussehen kann, diskutierte Diana Stachowitz, kirchenpolitische Sprecherin der SPD Landtagsfraktion mit Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Christen hätten doch alle die gleiche Wertebasis – egal, wo sie lebten. Aber sie müssten lernen, zu akzeptieren, dass sie, obwohl sie den gleichen Glauben hätten, auch unterschiedlicher Meinung sein könnten, betonte Bedford-Strohm.

„Als Christen tragen wir eine besondere Verantwortung für ein friedliches Miteinander. Hier bei uns und in Europa,“ so das Fazit von Kirchenpolitikerin Stachowitz. „Dieser Abend hat gezeigt, dass für uns Bayerische Christen der Glauben eine sichere Heimat ist. Aus dieser Heimat heraus setzen wir uns gemeinsam für die Werte ein, die uns verbinden und unsere Gesellschaft lebenswert machen: Menschlichkeit, Ehrlichkeit und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. Das freut mich sehr!"

Diana Stachowitz ging im Gespräch mit Heinrich Bedford-Strohm auch auf den Spagat zwischen kirchlicher Theorie und politischer Wirklichkeit ein: „Wie ist das, wenn Glaubensgrundsätze auf echte gesellschaftspolitische Herausforderungen stoßen? Also zum Beispiel, wenn das Gebot der Nächsten- und Fremdenliebe auf die Sorgen der Einheimischen vor Überfremdung trifft. Welche Kompromisse gehen Sie als Christ da ein?“ Der EKD-Ratsvorsitzende sagte, wenn man als Kirche spreche, sei es wichtig zu wissen, dass die Politik verschiedene Interessen vertreten müsse. Es dürfe nicht nur um die Ethik als Selbstzweck gehen, sondern um die ethische Verantwortung für die Menschen. Wichtig sei es, nie aufzuhören, miteinander zu reden.

Genau darum ging es beim Kirchenempfang. Im Gespräch bleiben, zuhören und gemeinsam nach Lösungen suchen. Rund 200 Akteure aus den oberbayerischen Kirchen und Gemeinden waren der Einladung von Diana Stachowitz und ihren KollegInnen Kathi Petersen, ebenfalls kirchenpolitische Sprecherin der Fraktion sowie Georg Rosenthal, europapolitischer Sprecher der SPD im Landtag, gefolgt. Nicht nur in Europa, sondern auch hier bei uns stellen Christen inzwischen immer öfter nationale Interessen in den Vordergrund. Sie stehen einer Willkommenskultur ebenso kritisch gegenüber wie einem solidarischen Europa. Das ist Sprengstoff für die EU und für die Friedenspolitik. „Welche konkreten Schritte unternehmen die Kirchen in Europa, um eine gemeinsame christliche Basis der Barmherzigkeit zu schaffen?“, wollte Diana Stachowitz vom EKD-Ratsvorsitzenden wissen. Und „wie wichtig ist es, dass die Kirchen in Europa hier an einem Strang ziehen?“.

Der Mut zu europäischen Lösungen und der politische Wille, auch im Gegenwind für die gemeinsame Sache zu streiten, sei heute verpflichtender denn je, erläuterte Bedford-Strohm. Diese Ansicht teilt auch Reinhard Marx, Kardinal der römisch-katholischen Kirche und Erzbischof von München und Freising. Die beiden Sozialethiker stehen für die Verantwortung der Kirchen für eine umfassende Lösung der aktuellen Konflikte, sowohl in Europa als auch in der Welt – und sie nehmen die Politik in die Pflicht. Denn sie sind davon überzeugt, dass die Grundwerte des christlichen Glaubens einen festen und fruchtbaren Boden zur Bewältigung der Herausforderungen der Zukunft bieten. Diese Grundorientierungen, das betonte Bedford-Strohm im Gespräch mit Diana Stachowitz, seien allen europäischen Ländern eigen, deshalb gelte es, sie herauszuarbeiten. Also beispielsweise Nächstenliebe, die Achtung vor dem Leben und das Bekenntnis zum Frieden.

Verantwortung für Europa ist auch Kernthema der SPD. Schon 1939 formulierte Willi Brandt seine Vorstellungen der „Vereinten Staaten von Europa“. „Nur ein starkes Europa kann die großen Probleme von heute lösen – und damit es stark bleibt, müssen wir miteinander sprechen und andere Meinungen aushalten“, sagte Diana Stachowitz.

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