Ein „Nein“ ist ein „Nein“! Oder? - Gewalt gegen Frauen ist Alltag. Sport macht Frauen stark!

15. März 2016 | Frauenpolitik / Gleichstellung

Jede dritte Frau in Europa wird im Laufe ihres Lebens Opfer von Gewalt. In Deutschland erleiden bis zu 59% der Frauen psychische Gewalt, damit liegt das Land im Europäischen Vergleich weit über dem Durchschnitt von 28%. Zu diesem Ergebnis kommt die europaweite Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) zur Gewalt gegen Frauen von 2014.

Diana Stachowitz, MdL auf dem BLSV Aktionstag "Frau trau dich"

Auf dem Aktionstag „Frau trau dich“ des BLSV-Verbandsfrauenbeirats am 12. März 2016 im Funkhaus des Bayerischen Rundfunks unter Vorsitz von Kloty Schmöller ging es darum, wie Vereine und Politik Frauen besser stärken und vor Gewalt schützen können. Eines war allen Teilnehmern klar: Es macht keinen Sinn, beim Thema Gewalt gegen Frauen auf Migranten zu zeigen. „Die weitaus meisten Übergriffe passieren durch Partner, in Beruf oder Familie“, erklärte Diana Stachowitz, MdL. Die sportpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und stellvertretende Landessportbeiratsvorsitzende betonte die Bedeutung eines soliden, tragfähigen Netzes in der Gesellschaft: „Wir brauchen eine Strategie von null Toleranz gegenüber Gewalt, getragen von Politik, Medien, Vereinen und jedem Einzelnen.“ Der Gesetzgeber sei hier in der Pflicht, das Sexualstrafrecht weiter zu verschärfen. „Wenn eine Frau NEIN sagt, dann muss das reichen“, forderte Stachowitz.

Der Deutsche Olympische Sportbund fördert mit seiner Kampagne „Starke Netze gegen Gewalt“ seit Jahren Selbstbehauptung und Selbstverteidigung von Frauen. Wie das in der Praxis aussieht, konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Aktionstages in gespielten Szenen live miterleben. „Sport spielt eine wichtige Rolle in der Gewaltprävention“, betonte Diana Stachowitz. „Denn Sport gibt den Mädchen und Frauen ein Gefühl für ihren Körper, seine Stärken und Grenzen. Sport gibt Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein.“ Allerdings bieten die aktuellen Programme in erster Linie Kampfsporttraining an. „Die beste Prävention ist die Stärkung des Körpergefühls, und das kann durch viele unterschiedliche Sportangebote erreicht werden, nicht nur durch Kampfsport. Hier muss die Palette ausgeweitet werden z.B. auf Yoga, Gymnastik und Schwimmen. Unter Umständen müssen die Kurse auch dort stattfinden, wo die Frauen leben – für viele ist der Weg zum Sportverein schon eine unüberwindbare Barriere", forderte die Sportpolitikerin Stachowitz.

Die FRA-Studie besagt nämlich auch, dass sich sehr viele Frauen nach einem Gewalterlebnis aus Angst und Scham zurückziehen. „Das gilt ganz besonders für geflüchtete Frauen und Frauen mit Behinderung“, erklärte Diana Stachowitz. Frauen, die vor körperlicher Gewalt aus ihrer Heimat fliehen, sind sowohl auf der Reise als auch in der Sicherheit des Zielortes weiter gefährdet. Über 30% von ihnen werden z.B. in Flüchtlingsunterkünften Opfer körperlicher Gewalttaten. Frauen mit Behinderung sind aufgrund ihrer Hilfsbedürftigkeit besonders gefährdet – Studien sprechen von körperlichen oder psychischen Gewalterlebnissen bei bis zu 60%. Für diese Frauen gibt es bislang noch zu wenig an ihre besonderen Bedürfnisse angepassten Angebote. „Das wollen wir gemeinsam ändern“, versprach Diana Stachowitz beim Aktionstag den anwesenden Vertreterinnen von Sportvereinen und Verbänden.

Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V., bietet auf seiner Website http://wege-aus-der-gewalt.de noch weitere Informationen zu diesem Thema – insbesondere für Frauen mit Behinderungen, die von Gewalt betroffen sind.

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