Diana Stachowitz
Landtagsabgeordnete







Wo gearbeitet wird, wenn die meisten Menschen schlafen

 Nachtschicht-Tour mit SPD-Landtagsabgeordneter im Landkreis Mühldorf 

 Die SPD-Landtagsabgeordnete Diana Stachowitz, Betreuungsabgeordnete des Stimmkreises Mühldorf, auf  sogenannten „Nachtschicht-Tour“ im Landkreis. „Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen, die nachts in sozialen Einrichtungen oder Betrieben arbeiten und die Uhren der Gesellschaft am Laufen halten. „Hier wollen wir als SPD dicht dran sein und ein offenes Ohr für ihre Themen haben“, erläuterte Diana Stachowitz den Hintergrund ihrer Aktion. Begleitet wurde sie dabei von den örtlichen Vertretern der SPD Richard Fischer (Vorsitzenden des Unterbezirks), Christian Zimmermann (stellv. Vorsitzender), Kathrin Zettl (stellv. Vorsitzenden und Juso-Chefin) und Markus Schwaiger (SPD-Bürgermeisterkandidat).

1. Station: Starke Partner Tag und Nacht – BRK Rettungswache Waldkraiburg

Als erste Station besuchte die Gruppe die BRK-Rettungswache Waldkraiburg, die mit Notärzten, Krankentransporten, Krisenintervention, Behindertenfahrdiensten und Wasserwacht immer gleich zur Stelle ist, wenn es Tag und Nacht um die medizinische Notfallversorgung der Mühldorfer Bevölkerung geht . „Doch die medizinische Infrastruktur im Landkreis ist in Gefahr“, erklärte Karl-Heinz Sterba, Rettungsdienstleiter in Waldkraiburg. Der abrupte Wegfall des Zivildienstes und Wehrersatzdienstes, bislang eine tragende Säule, reißt ein großes Loch in die Personaldecke des BRK, welches rund 7000 Einsätze im Jahr leistet. Auch das Ehrenamt kann laut Sterba die Lücke nicht füllen, da es ebenfalls rückläufig ist. Gab es 2005 noch einen Pool von 70 ehrenamtlichen Mitarbeitern, so stehen heute lediglich  zehn Helfer zur Verfügung. „Hier müssen wir handeln, denn dieser Notzustand, der die hauptamtlichen Mitarbeiter überlastet und die Versorgung der Bevölkerung gefährdet, ist nicht länger tragbar“, appellierte Diana Stachowitz an die Verantwortlichen im Bund. Die Ersatzinstrumente Bundesfreiwilligendienst (BFD) und Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) konnten das Problem bisher nicht lösen. Zusätzlich verschärft der akute Hausärztemangel im Landkreis die Lage, der die Bevölkerung immer mehr auf die Rettungsdienste ausweichen lässt.

2. Station: Lebensbegleitung für benachteiligte Jugendliche – Berufsbildungswerk Waldwinkel

Weiter ging es zum Berufsbildungswerk Waldwinkel der Salesianer Don Boscos, die seit mehr als 60 Jahren Jugendliche mit Behinderung oder aus schwierigen Familienverhältnissen fördern. Hier wird den jungen Menschen Lebenspraxis vermittelt, und sie werden bei der Ausbildung in 28 verschiedenen Berufsbildern betreut. „Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe, die sich trotz der hohen Förderkosten später auszahlt, denn rund 50% der Jugendliche finden einen Arbeitsplatz“, erklärte der Leiter Klaus Ortner. Doch der Bundesagentur für Arbeit (BA), die junge Menschen an das Berufsbildungswerk vermitteln sollte, ist das Angebot leider in jüngster Zeit oft zu teuer, so dass sie lieber andere, billigere Maßnahmen sucht. Zuletzt war auch eine Art Integrationsprämie im Gespräch, wobei die Einrichtung für jeden Jugendlichen, der in einen sozialversicherungspflichtigen Job vermittelt wurde, eine Prämie zurückbekommt. „Doch so einfach ist es nicht. Die Investition in Bildung lohnt sich und beinhaltet neben Arbeit auch Persönlichkeitsbildung“, kommentierte Diana Stachowitz das Vorgehen der BA, das in ihren Augen die Wirtschaftlichkeit von Einrichtungen wie dem Berufsbildungswerk Waldwinkel gefährdet.

3. Station: Starker Wirtschaftsstandort in der Region – Netzsch Mohnopumpen

An einer anderen Schaltstelle der Gesellschaft arbeiten die Mitarbeiter des Netzsch Mohnopumpen Betriebs – einer weiteren Station der Nachtschicht-Tour. Das international agierende Unternehmen fertigt auch nachts Bauteile für maßangefertigte Pumpen auf der ganzen Welt. Mit seinen Produkten ist das Unternehmen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region. Damit das auch so bleibt, braucht es einen ständigen Nachschub an Fachkräften, „die mit Know-how in Logistik, Kreativität und Individualität die Qualität der Firma weltweit sichern“, erklärte Geschäftsleiter Christoph Böhnisch. Diana Stachowitz lobte zusammen mit den örtlichen SPD-Vertretern die vorbildliche Ausbildungsquote des Betriebs: „Mit einem Anteil von 40 Lehrlingen bei 430 Mitarbeitern in Waldkraiburg leistet Netzsch Mohnopumpen einen wertvollen Beitrag für die Zukunft des Landkreises.“ In Zukunft werden Fragen in punkto Rente mit 67 oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf den Mittelständler beschäftigen – Themen mit denen sich die SPD schon lange auseinandersetzt.

 4. Station: Gesundheitsschutz rund um die Uhr – Kreiskrankenhaus Mühldorf

Bei den Mühldorfern hatte ihr Krankenhaus bis vor 10 Jahren keinen guten Ruf, doch dass das heute anders ist, davon konnte der Geschäftsführer Heiner Kelbel die SPD-Vertreter überzeugen. An den zwei Kliniken in Mühldorf und Haag in OB kümmern sich insgesamt 900 Mitarbeiter um die Gesundheitsversorgung im Landkreis. Ein wichtiges Standbein der Klinik sind die 400 Pflegedienstmitarbeiter auf den 17 Stationen. Durch ein besonderes Konzept haben sie mehr Zeit für die Arbeit am Patienten und Gespräche. Sogenannte Stationssekretärinnen übernehmen die Verwaltungsaufgaben und Servicekräfte kümmern sich um die Essensverteilung und kleinere Hilfsdienste, die die Pflegekräfte immer mehr von ihrer eigentlichen Arbeit abgehalten haben. Wichtig ist der Klinik auch der Pflegenachwuchs, da jedes Jahr 60-70 neue Auszubildende gebraucht werden. Zwar hat das Kreiskrankenhaus Mühldorf keine eigene Ausbildungsschule, doch es fördert die generalistische Krankenpflegeausbildung im Landkreis. Es findet ein mittlerweile unverzichtbarer Wissenstransfer zwischen Kranken- und Altenpflege statt. Auch für die Landtagsabgeordnete Diana Stachowitz ist das Thema Altenpflege topaktuell und muss entsprechend gefördert werden, damit es nicht zu einem Pflegenotstand kommt. Schließlich braucht es in Zukunft immer mehr Betreuung für alte Menschen und besonders Spezialeinrichtungen für demenzkranke Patienten.

5.Station: Für die Sicherheit im Landkreis – Polizeiinspektion Waldkraiburg

Nachts hat die Polizeiinspektion Waldkraiburg viel zu tun. Sie ist für insgesamt zwölf Gemeinden zuständig, weil die Inspektion Haag nur tagsüber besetzt ist. Da geraten die Beamten schon mal an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, wenn die Nachtschichtbesetzung von lediglich vier Mann auch noch einen Unfall an der B12 abwickeln muss. Man tue was man kann, trotzdem leiste man „Krisenintervention auf Sparflamme“ wie der Dienststellenleiter Herr Marschner die Situation beschrieb. Aufgrund der dünnen Personaldecke wird deshalb für große Festivitäten und Ereignisse die Bereitschaftspolizei angefordert. Doch die langjährige Erfahrung hilft den Beamten oft, die Situationen sowie das Risiko richtig einzuschätzen und Sicherheit zu gewährleisten. So konnte die Polizei die Kriminalstatistik der ehemaligen „Krawallburg“ Waldkraiburg erheblich senken, und  die Stadt hat heute die niedrigste Zahl an Delikten zu verzeichnen. „Wir genießen einen hohen Sicherheitsstandard in Bayern. Das ist der bayerischen Polizei zu verdanken“, kommentierte Diana Stachowitz den nächtlichen Besuch.

6.Station: Bis ins hohe Alter gut versorgt – Caritas-Altenheim Mühldorf

 Auch nachts schläft ein Altenheim nicht. In der Nacht kümmern sich drei Pflegekräfte um die rund 70 Bewohnerinnen und Bewohner. Sie lagern die Patienten um, wechseln Windeln oder beruhigen demenzkranke Patienten. Keine ganz leichte Aufgabe, da viele Bewohner viel Pflege, Zuwendung und Unterstützung brauchen. Die Mitarbeiter arbeiten in Wechselschicht. Nach zwei bis drei Nachtschichten pro Woche haben sie zwei bis drei Tage frei. Die Sozialexpertin Diana Stachowitz lobte die Arbeit der Mitarbeiter: „Deutschland wird aufgrund des demographischen Wandelns immer älter. Dank den Altenpflegerinnen und – Pflegern wissen wir, dass wir im Alter gut versorgt sind.“ Im Februar 2012 wird das alte Haus abgerissen und die Caritas baut neu, dann wird die Ausstattung für die Pflege der Zukunft noch bedarfsgerechter.

 

Diana Stachowitz bedankte sich bei allen Einrichtungen und Betrieben in ihrem Betreuungswahlkreis für ihre Offenheit und versprach, alle Anregungen mit in den Landtag zu nehmen und den gestellten Fragen nachzugehen. „Wir bleiben in Kontakt“, verabschiedete sie sich um halb sechs Uhr von den Mühldorfern. „Ich komme wieder und bringe dann ganz gezielte Antworten mit.“

 Stephanie Salzhuber

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